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Dr. Arne Traulsen

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

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Originalveröffentlichung

Christian Hilbe und Arne Traulsen
Emergence of responsible sanctions without second order free riders,antisocial punishment or spite
Scientific Reports 2, Article Number 458, doi:10.1038/srep00458

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Wenn der Ruf auf dem Spiel steht, wird gerechter bestraft

Reputation könnte der entscheidende Faktor bei der Evolution von Kooperation und Bestrafung sein

19. Juni 2012

Die Evolution kooperativen Verhaltens beim Menschen wird oftmals damit erklärt, dass es die Möglichkeit gibt, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen. Allerdings ist solche Bestrafung kostenaufwendig und der Nutzen für die Strafenden daher unklar. Sollten die Kosten für die Bestrafung den Nutzen der dadurch gesteigerten Kooperation übersteigen, wäre Bestrafung aus evolutionsbiologischer Sicht sinnlos. Zudem deuten mehrere Verhaltensexperimente darauf hin, dass Sanktionsmöglichkeiten missbraucht werden, und dass selbst kooperatives Verhalten manchmal von Mitmenschen bestraft wird. Christian Hilbe und Arne Traulsen vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön haben nun mit Hilfe der Spieltheorie ein Modell entwickelt, das die Abhängigkeit zwischen Reputation, der Evolution von Kooperation und Bestrafung zeigt. Der Ruf könnte demnach der Schlüssel für die erfolgreiche Evolution von gerechten Sanktionen sein.

Gerechte Bestrafung scheint zunächst keinen Vorteil für den Bestrafenden zu haben, erfüllt also nicht die Voraussetzung für die Evolution einer solchen Verhaltensweise. Um dieses Problem zu lösen, entwickelten Hilbe und Traulsen ein zweistufiges mathematisches Modell.  In der ersten Stufe können sich die Spieler entweder kooperativ oder unkooperativ verhalten. Darauf basierend mussten die Mitspieler in der zweiten Stufe entscheiden, ob sie andere für das vorangegangene Verhalten bestrafen oder nicht. Dabei zeigte sich, dass sich kooperatives Verhalten und gerechtfertigte Sanktionen nur dann durchsetzen, wenn die Interaktionen von anderen beobachtet werden können.

„Der Entschluss jemanden anderen zu bestrafen, wirkt sich dann nicht nur auf die kurzfristigen relativen Vorteile der Spieler aus, sondern auch auf ihren Ruf“, sagt Traulsen.

Der eigene Ruf scheint dabei einen sehr hohen Wert zu haben, denn Individuen bestrafen unfaires Verhalten selbst dann noch, wenn sie mit Gegenwehr rechnen müssen. „Um unseren Ruf aufrecht zu erhalten, sind wir bereit einen hohen Preis zu bezahlen. Dabei ist schon der Verdacht, dass uns jemand beobachtet, ausreichend, um unsere Kooperationsbereitschaft zu steigern“, so Hilbe.

Strafe ist also vor allem dann lohnenswert, wenn sie gerecht eingesetzt wird. Sanktionen haben nämlich nicht nur den Zweck unkooperatives Verhalten zu ahnden, sondern sie wirken auch als ein Signal an Außenstehende. Nur durch gerechtfertigte Sanktionen lässt sich die Kooperationsbereitschaft in der Bevölkerung steigern. Die zuvor gezeigte Neigung unfaires Verhalten zu bestrafen, würde so langfristig einen Vorteil  bedeuten und  die entstehenden Kosten ausgleichen. Die Fähigkeit des Menschen, Informationen über andere zu sammeln, weiter zu geben und so einen Ruf auszubilden, scheint somit einer der wesentlichen Gründe für die besonders ausgeprägte Kooperationsbereitschaft unter Menschen zu sein.

 RWI/BA

 
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