Ein Gen steuert Geschlechtspräferenz bei der Partnerwahl und soziale Entwicklung des Gehirns

2. März 2021

Das Gen Peg13 spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Funktionen des sozialen Gehirns und bei der Partnerwahl. Das haben Maryam Keshavarz und Diethard Tautz vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie mithilfe von Verhaltensexperimenten bei Mäusen gezeigt. Das Gen findet man auch beim Menschen.

Normalerweise sind beide Genkopien, die von Mutter und Vater vererbt werden, in den Nachkommen aktiv. Das Genom von Säugetieren enthält jedoch etwa hundert Gene, bei denen nur eine der elterlichen Kopien aktiv ist. Dieses Phänomen wird „genomische Prägung“ genannt und kommt vor allem bei Säugetieren vor. Das Gen Peg13 (paternally expressed gene 13) ist nur auf dem väterlichen Chromosom aktiv und besitzt eine Schlüsselrolle in der Regulation der Gehirnentwicklung. Tiere, die eine Mutation dieses Gens tragen, bevorzugen gleichgeschlechtliche Partner, zeigen ein höheres Maß an Ängstlichkeit, verminderte Aktivität und Neugier sowie einen Mangel an mütterlicher Fürsorge.

Veränderte Partnerpräferenz. Im Verhaltenstest für Partnerpräferenz zeigen Wildtyp Mäuse und Mäuse bei denen die mütterliche Kopie von Peg13 mutiert ist eine Bevorzugung des jeweils anderen Geschlechtspartners. Wenn die väterliche Kopie von Peg13 mutiert ist, zeigen sowohl Männchen wie Weibchen eine Bevorzugung des eigenen Geschlechts.

Peg 13 reguliert Gene für Verhaltenssteuerung

Peg 13 wird sowohl für die Regulation von Genen mit grundlegenden Synapsen- und Rezeptor-Funktionen, als auch für die Regulation einer Reihe anderer Gene benötigt, die genomische Prägung und Steuerung von Verhaltensreaktionen zeigen. Wenn Peg13 fehlt, werden die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Gehirn grösser, das heißt die normale Rolle des Gens besteht darin, das Gehirn der Geschlechter ähnlicher zueinander zu machen. Peg13 wird nur als RNA exprimiert und kodiert nicht für ein Protein. Die Gensequenz entwickelt sich evolutionär sehr schnell und es ist daher möglich, dass es über die Steuerung von Partnerpräferenz auch an Artbildungsprozessen beteiligt ist.

Zur Redakteursansicht