Wissenschaft im Dialog: Internationaler Workshop zu „Evolutionary Rescue“ am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie

23. Juli 2025

Auf den Punkt gebracht:

  • Interdisziplinärer Austausch: Modelliererinnen und Experimentalistinnen diskutieren gemeinsam neue Ansätze zum Thema Evolutionary rescue – von Konzepten bis zur Anwendung.
  • Internationales Fachtreffen: Fünf Tage intensiver Austausch mit Expert*innen aus Europa und Nordamerika.
  • Wissenschaftlicher Nachwuchs im Fokus: Pre-School als Einführung in theoretische Modelle für junge Forschende und Interessierte des Instituts.

Vom 29. Juni bis zum 3. Juli 2025 fand am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön der internationale Workshop „Evolutionary Rescue – bridging the gap between theory and experiments“ statt. Die Veranstaltung brachte führende Expert*innen aus verschiedenen Bereichen zusammen, um ein zentrales Thema der Evolutionsbiologie interdisziplinär zu beleuchten: die evolutionäre Anpassung von Populationen an sich rasch ändernde Umweltbedingungen, die sonst zum Aussterben führen würden.

Es ist bereits der zweite Workshop, den Hildegard Uecker (MPI Plön) und Matthew Osmond (University of Toronto) zu dem Thema organisierten. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2023 mit dem Fokus auf mathematischen Modellen stand in dieser zweiten Ausgabe der gezielte Austausch zwischen Modelliererinnen und Experimentalistinnen im Vordergrund. Ziel war es, gemeinsam zu diskutieren, welche theoretischen Ideen experimentell getestet werden müssen, wie experimentelle Daten durch Modelle besser interpretiert werden können, und welche offenen Fragen durch die gemeinsame Entwicklung von Theorie und Experiment angegangen werden sollten.

Als geladene Sprecher trugen Helen Alexander (University of Edinburgh), Lutz Becks (Universität Konstanz), Robert D. Holt (University of Florida), Jitka Polechová (Universität Wien) und Laure Olazcuaga (CNRS – SETE) zu dem Workshop bei. Neben Fachvorträgen und Posterpräsentationen boten Diskussionsrunden Raum für lebendigen Austausch und gaben neue Impulse für zukünftige Forschungskooperationen. Bereits im Vorfeld des Workshops fand eine „Pre-School“ statt, die insbesondere Nachwuchswissenschaftler*innen und experimentell arbeitenden Teilnehmenden eine  Einführung in theoretische Modelle für Evolutionary Rescue ermöglichte.

Das Konzept des Workshops ist aufgegangen. So sagt etwa Helen Alexander: „I left this workshop full of ideas, feeling refreshed and inspired. The workshop was perfectly designed to encourage building bridges through the small, focused workshop format with plenty of time for discussion.“ Ähnlich ist auch das Feedback von Ruben Hermann (Universität Konstanz): „This was truly one of the best workshops I have attended! It showed me again why I love (discussing about) science and evolutionary rescue so much. I cannot wait to implement all the new ideas from the workshop, hopefully together with the newly gained contacts.“ Ein erstes gemeinsames Forschungsprojekt mehrerer Teilnehmer ist bereits gestartet.

Ein besseres Verständnis darüber, unter welchen Bedingungen sich Arten schnell genug anpassen können, um trotz drastischer Umweltveränderungen zu überleben, ist von großer praktischer Bedeutung – etwa im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der viele Arten weltweit bedroht. Ebenso wichtig ist dieses Wissen in Fällen, in denen eine Anpassung unerwünscht ist, wie etwa bei der Entwicklung von Resistenzen gegen Medikamente oder Pestizide in der Medizin und Landwirtschaft.
Mit dem Workshop stärkte das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie gezielt den Austausch zwischen theoretischer Modellierung und experimenteller Forschung in diesem hochaktuellen Fachgebiet.

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