Zehn neue Referenzgenome für Mauereidechsen veröffentlicht
Mit der neuen Veröffentlichung verfügen nun mehr als die Hälfte aller beschriebenen Mauereidechsen-Arten über ein Referenzgenom auf Chromosomenebene.
Damit sich die genetische Vielfalt einer Art systematisch vermessen lässt, braucht es eine stabile Orientierung. Referenzgenome liefern diese – als verlässliche „Grundkarte“ des Erbguts, an der Forschende Unterschiede erkennen und evolutionäre Prozesse besser nachvollziehen können. In der genomischen Erforschung der Mauereidechsen ist nun ein neuer Meilenstein erreicht: Gemeinsam mit Joana Meier und ihrem Team am Wellcome Sanger Institute sowie mit Unterstützung zahlreicher Kooperationspartnerinnen und -partner, die entscheidende Proben bereitstellten, hat die Lise-Meitner-Gruppe für Evolutionäre Diversifizierung und Innovation am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie zehn neue Referenzgenome auf Chromosomenebene veröffentlicht.
Die Veröffentlichung ist Teil einer internationalen Initiative, die 2019 startete, als das erste hochwertige Referenzgenom der Gemeinen Mauereidechse (Podarcis muralis) erschien (Andrade et al., PNAS). Seitdem hat dieses Genom als zentrale Grundlage für zahlreiche Studien gedient – von der Aufklärung der genetischen Basis des Nigriventris-Syndroms bis zur Rekonstruktion der komplexen Evolutionsgeschichte der Gattung Podarcis.
In den vergangenen Jahren wurden zudem für mehrere weitere Podarcis-Arten Referenzgenome erstellt, darunter P. cretensis, P. raffonei und P. lilfordi. Mit der aktuellen Veröffentlichung wächst die Liste nun um zehn weitere Arten: P. filfolensis, P. erhardii, P. pityusensis, P. gaigeae, P. melisellensis, P. bocagei, P. vaucheri, P. siculus, P. tiliguerta und P. liolepis.
Damit liegt nun für mehr als die Hälfte der derzeit 28 beschriebenen Mauereidechsen-Arten ein Referenzgenom auf Chromosomenebene vor – eine außergewöhnliche Ressource für Evolutionsbiologinnen und -biologen weltweit.
„Referenzgenome sind das Rückgrat der modernen Evolutionsforschung“, sagt Dr. Nathalie Feiner, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie. „Sie ermöglichen es uns zu verstehen, wie sich Arten diversifizieren, anpassen und evolvieren – nicht nur bei Mauereidechsen, sondern so, dass sich übergreifende Muster und Prozesse über alle lebenden Organismen hinweg erkennen lassen.“
Wer tiefer einsteigen möchte, wie solche Genome in der Evolutions- und Populationsgenomik eingesetzt werden, dem empfiehlt das Team außerdem ein aktuelles Preprint: „Population and Evolutionary Genomics of Lizards and Snakes“. Der Beitrag wird als Kapitel in der kommenden zweiten Auflage des Buches Statistical Population Genomics erscheinen, herausgegeben von Julien Y. Dutheil.
