Braune Maus sitzt aufmerksam auf einem weißen Holzstück in einem Umfeld mit unscharfem Hintergrund aus Holzspänen.

Tierversuche in der Forschung am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie

Tierversuche in der Grundlagenforschung sind ein sensibles Thema und werfen berechtigte Fragen auf. Deshalb ist es uns wichtig, nachvollziehbar zu erklären, warum wir in bestimmten Bereichen mit Tieren forschen. Am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie untersuchen wir, wie sich Leben über lange Zeiträume entwickelt hat, wie Organismen sich an wechselnde Umweltbedingungen anpassen und welche biologischen Mechanismen diesen Prozessen zugrunde liegen.
 

Warum werden in der Grundlagenforschung Tierversuche durchgeführt?

Ein Teil dieser Forschung kann nur am ganzen Organismus stattfinden. Viele biologische Vorgänge lassen sich nicht vollständig verstehen, wenn man nur einzelne Zellen, Gewebe oder isolierte molekulare Prozesse betrachtet. Gene, Proteine, Entwicklung, Verhalten und Umwelt wirken in einem lebenden Organismus eng zusammen. Genau diese komplexen Wechselwirkungen stehen im Zentrum unserer Forschung.

Warum ist das in der Evolutionsbiologie besonders wichtig?

In der Evolutionsbiologie ist dieser Zusammenhang besonders bedeutsam. Viele grundlegende biologische Prozesse sind im Verlauf der Evolution entstanden und können nur im Kontext des gesamten Organismus sinnvoll untersucht werden. Zugleich erforschen wir nicht nur allgemeine Mechanismen, sondern auch spezialisierte Anpassungen einzelner Tierarten an ihre jeweilige Umwelt. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, sind Untersuchungen am Tier in bestimmten Bereichen weiterhin notwendig.

Warum reichen Alternativmethoden nicht immer aus?

Alternative Methoden wie Computersimulationen, statistische Modelle oder Untersuchungen an Zellkulturen sind für unsere Arbeit von großer Bedeutung. Wir nutzen solche Methoden überall dort, wo sie sinnvoll und möglich sind. Sie helfen dabei, Tierversuche zu ergänzen, zu verringern und in manchen Fällen zu ersetzen. Sie können jedoch nicht alle biologischen Prozesse abbilden, die nur im lebenden Organismus sichtbar werden.

Warum ist Grundlagenforschung gesellschaftlich relevant?

Grundlagenforschung schafft das Wissen, auf dem spätere Anwendungen aufbauen. Sie ist die Basis dafür, biologische Zusammenhänge überhaupt erst zu verstehen. Dieses Wissen ist auch für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen relevant — etwa für Fragen rund um den Klimawandel, Krankheitsprozesse, personalisierte Medizin, Pandemiedynamiken oder die Krebsentwicklung. Oder, in den Worten von Max Planck: „Erkenntnis muss der Anwendung vorausgehen.“

Warum ist das Wohlergehen der Tiere zentral?

Das Wohlergehen der Tiere ist eine unverzichtbare Voraussetzung für verantwortungsvolle und verlässliche Forschung. Tiere, die leiden, gestresst sind oder Schaden erleiden, spiegeln natürliche biologische Prozesse nicht zuverlässig wider. Solche Daten wären wissenschaftlich nicht belastbar. Gute Forschung und Tierwohl gehören deshalb untrennbar zusammen. Verantwortung, Sorgfalt und die stetige Prüfung von Alternativen sind wesentliche Grundlagen unserer Arbeit.

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