Wenn der Mond den Takt vorgibt
Das Magazin GEO berichtet über die Monduhr-Forschung von Tobias Kaiser am MPI EvolBio
Auf den Punkt:
- GEO widmet der Monduhr-Forschung von Tobias Kaiser in seiner April-Ausgabe besondere Aufmerksamkeit.
- Das Team in Plön arbeitet mit einem weltweit einzigartigen Modellsystem: der Meeresmücke Clunio marinus.
- Die Forschung eröffnet neue Perspektiven darauf, wie Mondrhythmen funktionieren und wie sie zur evolutionären Anpassung beitragen.
Nicht alle biologischen Uhren folgen dem Wechsel von Tag und Nacht. Manche Organismen orientieren sich auch am Mond. Das GEO-Magazin greift dieses faszinierende Forschungsfeld in seiner April-Ausgabe auf und stellt dabei auch die Arbeit von Tobias Kaiser am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön vor.
Die Forschung von Tobias Kaiser nimmt dabei eine besondere Stellung ein – seine Arbeitsgruppe ist die einzige weltweit, die an der Meeresmücke Clunio marinus forscht. Dabei geht es um die Fragen, wie die innere Monduhr funktioniert, wie sie mit Umweltreizen wie Licht und Gezeiten zusammenspielt, und wie sie sich im Laufe der Evolution an die Bedingungen des jeweiligen Standorts angepasst hat.
Im Labor werden zahlreiche Populationen von Clunio marinus gehalten, darunter Stämme aus Frankreich, Schweden, Deutschland und Spanien. Insgesamt sind es elf Stämme, die trotz identischer Bedingungen Unterschiede in ihrem Mondrhythmus zeigen. Manche Stämme paaren sich nur zu Vollmond, andere nur zu Neumond, manche reagieren nicht auf Mondlicht aber auf simulierte Gezeiten, und wieder andere haben gar keinen Rhythmus. Gerade diese Unterschiede machen die Sammlung so wertvoll. Zum einen zeigen sie die Vielfalt der evolutionären Anpassungen an den Lebensraum, die innerhalb ein und derselben Art vorkommen. Zum anderen können die Unterschiede mithilfe genetischer und molekularer Methoden untersucht werden, um auf diesem Wege Einblicke in den Mechanismus der Monduhr zu erhalten.
Die Tiere liefern damit einen seltenen Einblick in ein Forschungsfeld, das noch weitgehend Neuland ist. GEO beschreibt, dass bei der Monduhr vieles noch ungeklärt ist. Tobias Kaiser arbeitet seit rund 20 Jahren an Clunio marinus. In dieser Zeit konnte seine Arbeitsgruppe zeigen, dass die Unterschiede in der Monduhr genetisch verankert sind und auch Gene identifizieren, die dabei vermutlich eine Rolle spielen. Dabei zeigte sich auch, dass die Monduhr nicht unabhängig arbeitet, sondern mit der Tagesuhr zusammenwirkt.
Gerade diese Verbindung aus Grundlagenforschung, biologischer Präzision und einem weltweit einzigartigen Modellsystem macht die Arbeit aus Plön so besonders. Die Forschung zeigt, wie fein abgestimmt Lebewesen auf die Rhythmen der Natur reagieren – und wie viel wir über diese Prozesse noch zu lernen haben.
Erschienen ist der Artikel im GEO Magazin in der Ausgabe 04/2026 unter dem Titel „Mondsüchtig - Das Dating Tool der Meerestiere“.
