Experimentelle Evolution im Labor – Vireninfektionen messen und verändern

Plöner Winter Talks

  • Date: Jan 27, 2026
  • Time: 07:00 PM - 09:30 PM (Local Time Germany)
  • Speaker: Manuela Reuter
  • Location: Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön
  • Room: Hörsaal
  • Host: Max Planck Institut für Evolutionsbiologie
  • Contact: pr@evolbio.mpg.de
  • Topic: Discussion and debate formats, lectures
Experimentelle Evolution im Labor – Vireninfektionen messen und verändern

Wenn Viren einen Wirt befallen, geschieht dies nicht zufällig, sondern in einem klar strukturierten und streng regulierten Ablauf. Dieser sogenannte Infektionskreislauf lässt sich in fünf aufeinanderfolgende Stadien gliedern: das Erkennen des Wirts, das Eindringen in die Wirtszelle, die Freisetzung und Vermehrung des viralen Erbguts, die Assemblierung neuer Viruspartikel und schließlich der Tod oder die Zerstörung der Wirtszelle, durch den die neugebildeten Viren freigesetzt werden.

Wie schnell und effizient ein Virus diese Schritte durchläuft, entscheidet darüber, wie erfolgreich es den Wirt ausbeuten kann und wie stark es sich in einer Population verbreitet. Dabei wirken äußere Faktoren wie Temperatur, Nährstoffverfügbarkeit oder andere Umweltbedingungen direkt auf diesen Prozess ein. Selbst kleine Veränderungen können den Ablauf beschleunigen, verlangsamen oder die Strategie des Virus verändern.

Mit Methoden der experimentellen Evolution lassen sich diese Anpassungsprozesse gezielt im Labor nachstellen. Indem Viren über viele Generationen hinweg unter kontrollierten, variierenden Bedingungen kultiviert werden, wird sichtbar, wie sie auf neue Herausforderungen reagieren. Auf diese Weise kann gemessen werden, ob und wie sich die einzelnen Stadien des Infektionskreislaufs verschieben oder verändern.

Solche Experimente liefern wertvolle Einblicke in die Mechanismen der Virus-Evolution. Sie helfen nicht nur, die Anpassungsfähigkeit von Viren besser zu verstehen, sondern auch, mögliche zukünftige Entwicklungen und die Dynamik von Virus-Wirt-Interaktionen besser vorherzusagen.


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